Was habe ich gut geschlafen! Obwohl ich noch lange wach war und die ungewöhnliche Schlafstätte auf mich gewirkt hatte, bin ich recht früh wach. Bernd ist schon aufgestanden, Moni ist noch im Land der Träume. Kein Wunder, während wir auf Luftmatrazen schliefen, hat sie die einzige Matraze, ein Königinnenbett sozuzusagen. “Wir sind eben Gentlemenpilger.”
Meine geplante Morgenpredigt auf der Empore findet nicht statt, es wird eher ein Zwiegespräch vor dem Spiegel bei der Morgentoilette in der Nasszelle der Pilgerherberge. Ein kurzes. Denn es hämmert gegen die Tür. Es ist ein Kirchengartenarbeiter, der sich bemerkbar macht. Mit ihm habe ich nicht gerechnet, er aber auch nicht mit mir.
Wir sind jetzt alle wach und packen zügig zusammen.
Ich nutze die Zeit des Aufbruchs und hinterlasse einen Gruss im Gästebuch. “Anika war auch auch hier”, denke ich und grübele immer wieder darüber nach, welche Wegstrecken sie wohl gegangen ist. Ich bin gespannt, es eines Tages von ihr zu erfahren.
Wir schliessen hinter uns die schwere Tür und gehen die wenigen Meter des Weges zurück zur Bäckerei, um den Schlüssel der Unterkunft abzugeben und um zu frühstücken. Man stellt uns Tisch und Stühle vor die Bäckerei und wir frühstücken ausgiebig. Der Kaffee schmeckt heute besonders gut, das Plunderstück aber auch.
Heute wird es nach Freyburg gehen, wir werden nach Freyburg gehen.
Es ist bewölkt, die Sonne kann sich nicht entscheiden zu scheinen. Ich lege mir die Gamaschen an und schnüre den Regenponcho wieder griffbereit auf den Rucksack. Wir zahlen das Frühstück und spenden für die Übernachtung. Treppauf geht es hoch, am Dom vorbei durch Merseburg.
Schnellen Schrittes gehen wir durch die morgendliche Stadt und gelangen in einen Park und kurz darauf in einen öffentlichen Tierpark. Die Sonne scherzt. Wenn sie unbedeckt am Himmel steht, ist es schon richtig warm, wenn sie wieder hinter Wolken verschwindet, regelrecht kalt. Ein Wechselbad. Wir gehen von Gehege zu Gehege und ich albere mit Bernd herum. Kurz darauf verwickelt er eine ältere Dame in ein Gespräch über seltene Hühner. Moni ist in einem Gasthaus verschwunden. Irgendwie sind wir jetzt gerade ins Trödeln gekommen. Das macht mich nervös. Nicht weil mich seltene Vögel nicht interessieren, sondern weil wir ja noch ganz am Anfang unserer Etappe stehen und die Stadt noch nicht richtig verlassen haben. Es ist auch die Unbeständigkeit des Wetters. Da ich mit einem Minimum an Gepäck laufe, bin ich darauf angewiesen, die Wetterlage richtig einzuschätzen und die zu schaffende Etappe zu beurteilen. Es nieselt.
Ein Pilger ist manchmal auch ein Pfadfinder.
Nach einigem Hin und Her im Tierpark kommen wir raus aus der Stadt, vorbei an riesigen Gebäuderuinen aus der DDR-Zeit und gelangen auf wilden Pfaden in einen Sumpf. Die Pfade sind schmal und das Gestrüpp ist dicht. Mein Pilgerstab leistet mir auch hier wieder vorzügliche Dienste, obwohl eine Machete wohl noch besser geeignet wäre. Ein Glück, dass ich die Gamaschen anhabe, denn sie sie schützen ideal vor dem Him- und Brombeergestrüpp und halten auch Zecken fern. “Paint it black” von den Rolling Stones kommt mir in den Kopf und ich summe das Lied. Es erinnert mich an eine TV-Serie aus den 80er Jahren: “Vietnam” Und so wirkt gerade auch diese Landschaft auf mich. Verschlungende schmale Pfade und jederzeit kann ein Vietcong auf den Weg springen. Es ist jedoch kein Vietcong, der uns auf dem Pfad überrascht, sondern ein stattlicher, ehemaliger General der Nationalen Volksarmee in Freizeitkleidung. Und Moni ist sein Opfer:
“Was sind Sie? Pilger? Sowas gab es bei uns nicht, aber wir sind früher auch maschiert. Tagelang, mit Blutblasen!” “Es ist nur eine Frage des Schuhwerks”, erklärt ihm Moni. “Schuhwerk? Ja, auf’s Schuhwerk kommt es an. Robust muss es sein.” Er hält einige Minuten mit geschwollender Brust einen militärisch zackigen Monolog über die “guten alten Zeiten”. Doch wir müssen weiter. Zum Abschied schenkt er Moni seinen Wanderstab. “Siehst’e, jetzt hast Du auch einen richtigen guten Pilgerstab”, sage ich zu Moni. Sie ist nicht ganz überzeugt, hat sie doch ihre Nordic-Walkingstöcke. “Das wird schon”, denke ich, “sie wird schon mit der Zeit merken, wie wunderbar solch ein Naturstock ist, ein geschenkter noch dazu.” Ich bin ein wenig neidisch.
In der folgenden Landschaft geht es nun zügig voran.
Auf Feldwegen pilgern wir nun Beuna und Frankleben entgegen. Jeder wieder in seinem eigenen Takt, mal zusammen, schweigend und wieder im Gespräch vertieft. Es ist schön, auch in solch einer Kleingruppe, wenn ich meinen eigenen Gedanken nachhängen kann. Ich versuche oft voran zu gehen, denn das Entdecken, die Eindrücke ungetrübt durch niemand anders zu erfahren, machen mir Spass und auch mit das Pilgern aus. Es ist schön in Gesellschaft zu gehen, aber abgelenkt werden möchte ich auch nicht. Es ist auch das Selbstentdecken, das Entdecken seines eigenen Taktes, der Möglichkeiten die man hat, das Verarbeiten von Schmerzen, die Freude, als Teil eines Ganzen und Grösseren, auf dieser Welt dazu zugehören.
Wir teilen uns auf.
Am frühen Mittag kommen wir in Frankleben an und füllen ein jeder Proviant in einem Landhandel auf. Gleich nebenan, in der Gastwirtschaft rasten wir und stärken uns. Was ich wohl esse? “Soljanka, ist doch klar!” Bernd will nicht mehr weitergehen. Und so beraten wir uns. Der Tag ist noch jung, das Wetter nach wie vor wecheslhaft. Wir beschliessen nicht bis nach Freyburg zu gehen. Das wären jetzt noch so um die zwanzig Kilometer. Was tun? Wir beschliessen nach Mücheln zu gehen. Zum Keeks. KEEKs ist das dortige ev. Kinder- und Jugenderlebnishaus. “Das klingt doch gut. Und Duschen gibt es dort auch!” Mir ist es recht. Moni auch, schliesslich war es ihr Vorschlag. Bernd hadert mit sich. “Ich nehme die Bahn, der Weg ist mir doch zu anstrengend, ich möchte es nicht übertreiben.” Uns ist es recht. Er lässt sich den Weg zum Bahnhof erklären und verabschiedet sich von Moni und mir: “Bis zum Nachmittag!”
“Also gehen wir jetzt beide nach Meuselwitz? Na, dann mal los!”
“Meuselwas?”
“Na, nach Meuselwitz. Nicht?”
“Mücheln. Müüüüüücheln. Müüüüüüüüüücheln!”
“Na gut, dann gehen wir eben nach Müüüücheln.”
Ich kann mir den Namen nicht merken. Ich gehe eben nach Meuselwitz oder Mügeln. Mücheln? Wer kommt denn darauf? “Auf jeden Fall freue ich mich auf den Keks…”
Der Weg nach Mücheln ist im Pilgerführer auch als Alternativweg beschrieben. Eigentlich wäre der Weg nach Freyburg jetzt auch noch zu schaffen. Mir kommen Zweifel. “Oder sollten wir doch?” Nein, machen wir nicht. Wir können den Bernd doch nicht alleine im Keks lassen. Ab Braunsbedra ist der Alternativweg nach Mücheln beschrieben. Von Merseburg aus hätte man auch schon direkt auf einer alten Heerstrasse nach Mügeln gehen können.
So gehen wir nach Braunsbedra.
Der Weg führt uns wieder durch ehemalige Braunkohletagebaugebiete, die rekultiviert werden. Hier wird ein herrliches Ausflugsgebiet entstehen, mit grossen Seen. Aber leider dauert es noch ein wenig. Doch man sieht, wie die Natur sich wieder ihren Teil des geschundenen Landes zurücknimmt. Doch das braucht seine Zeit. So ist diese Wegstrecke auch ein wenig beklemmend, wie ich finde. Da der Alternativweg ab Braunsbedra nicht ausgeschildert ist, schauen wir auf jedes Wegeschild, damit wir den Weg über Braunsdorf und Bedra finden. Einige Scherzkekse haben immer wieder die Hinweisschilder des Geiseltalseenrundweges in falsche Richtungen gedreht, so dass wir alle Nase lang aufmerksam die Schilder interpretieren müssen. Aber ein Glück, dass ich so eine findige Mitpilgerin habe. Moni hat eine Karte dabei. Nicht die neueste, aber besser als keine!
Lieber Leser, ich möchte an dieser Stelle nochmals sagen, dass es ansonsten nicht erforderlich ist, eine Karte mitzunehmen, aber wenn man einen Abstecher machen möchte, ist es ganz hilfreich. Ansonsten sind der Pilgerführer und die Wegemarkierungen völlig ausreichend und eindeutig.
Inzwischen hat sich die Sonne entschieden zu bleiben und brennt mir auf den Pelz. Laut Karte brauchen wir nur die Hauptstrasse entlanglaufen und wir werden direkt in Meuselwitz, ähhm, Mücheln ankommen. Das ist mir jetzt auch recht. “Dann sind wir noch garantiert vor Bernd da!”
Doch dieser Weg, an der Hauptstrasse entlang, ist nicht nach Monis Geschmack. Sie sucht wahrscheinlich nach einer Erfrischung, nach einer Abkühlung. Wir rasten auf einer Bank vor dem Seniorenhaus Geiselblick und schmieden einen neuen Plan. “Lass’ uns doch einfach an der Geisel entlang laufen, nicht hier an der Strasse, so kommen wir doch auch nach Mücheln”, schlägt mir Moni vor. “Okay, machen wir.” Von mir gibt es keinen grossen Widerstand, warum auch? “Die Geisel wird bestimmt gleich da vorne links vorbeiführen, schliesslich sitzen wir genau vor dem Seniorenhaus, das Geiselblick heisst. Wenn hier die Strasse ist, dann ist die Geisel bestimmt hinter dem Haus!” Gesagt, getan. Wir müssen nicht lange überlegen und diskutieren. Das gefällt mir.
Also biegen wir am Pflegeheim links in eine Strasse ein und gehen sie entlang. Doch keine Geisel ist in Sicht. Auch hinter dem Haus nicht. “Na, dann gehen wir eben ein Stück weiter, die kommt bestimmt gleich.” Laut Karte und auch laut Pilgerführer müssten wir sie schon längst überquert haben. Wir folgen einem Bächlein, doch das kann unmöglich die Geisel sein. Das Bächlein versiegt irgendwo in Feldern. Wir stehen im irgendwo.
Jetzt wird uns klar, dass wir uns eigentlich direkt auf dem Weg nach Freyburg befinden. “Eigentlich könnten wir doch…?” Nein, wir lassen Bernd nicht in M. zurück. Wir gehen weiter, bis es aussichtslos erscheint, die Geisel in dieser Gegend noch zu finden. Wir kehren um, aber nicht auf dem gleichen Weg, auf dem wir gekommen sind, nur richtungsmässig. In Schortau rasten wir auf den Stufen der örtlichen Kirche. Und weiter gehen wir auf einem neu asphaltierten Weg wieder in Richtung Bedra.
Missverständnisse.
Das Gehen auf diesem Weg ist beschwerlich. Vor allem, weil mir bewusst wird, dass wir keinen Meter gut gemacht haben. “Wir könnten schon in Mücheln sein”, denke ich im Stillen. Die Geisel, müsste doch hier irgendwo sein? Wo ist sie hin? In Sichtweite ist schon wieder die Strasse, die direkt nach Mücheln führt. Doch die Geisel ist nirgends zu sehen. “Wir sind doch hier im Geiseltal?” Wir wissen keinen Rat.
Ein Einheimischer auf einem Fahrrad kommt uns entgegen, wir nutzen die Chance und sprechen ihn an:
?Sagen Sie mal, wir glauben, wir haben uns verlaufen, wir können die Geisel nicht finden. Weder in unserem Pilgerführer, noch auf der Karte!?
“Die Geisel? Die ham’se mehrfach umgelegt!”, entgegnet er. Mir läuft es eiskalt über den Rücken. Habe ich doch in Leipzig auf SpiegelOnline einen Bericht zum Verbleib der zweiten deutschen Geisel im Entführungsfall in Afghanistan gelesen.
Moni und ich schauen uns fragend an. “Ja, die Geisel, war mal hier, dann war sie dort”, und er zeigt zur Bundesstrasse, “jetzt ist sie fort. Die ist irgendwo unterirdisch. War doch Braunkohle hier.”
“Achso! Sagen Sie mal, wir wollen nach Mücheln, aber nicht die Strasse entlang. Können wir diesen Feldweg dort nehmen? Führt dieser nach Mücheln? Die Richtung müsste doch stimmen?”
Der Bürger zeigt in die Richtung, die wir meinen und entgegnet:
?Sehnse da? Da ist das Wasserkraftwerk!?
Wir schauen bis zum Horizont und noch weiter und sehen, -nichts.
?Das haben wir vor 10 Jahren abgerissen, da gehen sie dann rechts, da kommt dann der Aldi, wo die Leute immer diese Getränke kaufen. Sie wissen schon!?
Wir folgen diesem Feldweg, denn die Richtung stimmt.
Aber das war auch schon alles. Wir machen Witze. “Sehen Sie dort diesen Bahnhof? Sehen Sie den nicht? Na, schauen Sie doch mal genauer hin. Der ist schon seit zwanzig Jahren nicht mehr, aber da gehen sie dann links. Da kommen Sie dann zum Konsum, aber der ist jetzt ein Netto.” Haha. Der Feldweg endet dort, wo damals das Wasserkraftwerk stand. “Ist schon klar, ohne Geisel, kein Wasserkraftwerk. Ist ja logisch.” Statt des Kraftwerks steht dort ein kleines Transformatorenhäuschen. Rechts geht kein Weg ab, ein Aldi ist auch nicht in Sicht.
“Das ist ja irgendwie imposant und faszinierend”, sagt Moni und zeigt gen Himmel. Die dunkelsten Wolken haben sich gerade über uns zusammen gebraut. Eine dichte Wolkenwand steht über uns, es wird dunkel. Ein paar Meter weiter in Richtung Mücheln scheint noch die Sonne.
“Moni, ich finde es ja auch richtig romantisch. Die dunkle Wolkenwand, kurz bevor das Unwetter losbricht und wir beide, im Schutze der Hochspannungsleitungen und des Transformatorenhäuschens. Wirklich sehr nett. Irgendwo im Nirgendwo. Das habe ich mir immer sehr gewünscht!”
Irgendwo im Nirgendwo.
In der Tat, wir sind im Nirgendwo. Hinter uns eine dunkle Wolkenwand, vor uns eine grüne hügelige Hölle. Ein Blick in den Pilgerführer gibt Aufschluss. Wir sind wirklich in einem grünen Nirgendwo, ein grosser grüner Fleck. Ein Blick in die Karte erübrigt sich. “Vor zehn Jahren waren hier bestimmt noch Wege”, grummele ich. Wir finden einen Pfad an einem Feld entlang. “In der Richtung muss Mücheln liegen! Bestimmt hinter diesem Hügel da vorne.” Wir sehen einen Traktor in der Ferne das Feld umpflügen. “Glaube mir”, sagt Moni, “die Richtung stimmt. Es kann nicht mehr weit sein.” Ich sage gar nichts. Ich bin jetzt verbissen. Verbissen gehe ich dem Hügel entgegen. Hinter dem Hügel geht es wieder bergab und ich sehe einen weiteren Hügel. “Ja, Moni, wenn nicht hinter diesem, dann hinter diesem dort. Dort geht bestimmt die Landtrasse entlang.” Der Traktor zieht weiter seine Runden auf dem Riesenfeld. “Wir könnten doch den Traktorfahrer fragen?” Keine gute Idee, denke ich. “Dann könnten wir auch gleich bis nach Freyburg gehen, so weit ist der am Horizont.”
Und was befindet sich hinter dem zweiten Hügel? “Na?”
Ein dritter Hügel. Und ein vierter und ein fünfter.
Der Traktor ist längst aus der Sicht- und Hörweite und wir hören wieder Motorengeräusche.
“Das wird die Strasse sein” Doch da ist keine Strasse. Nur grüne Hügel und saftige Wiesen. “Ein Flugzeug? Ja, es ist sicher ein Flugzeug. Sie haben Flugzeuge geschickt, um uns zu suchen. Hier sind wir. Hiiiiier!” Da taucht er wieder auf, der Traktor, links am Horizont.
Meine Stimmung ist irgendwie auf einem Tiefpunkt. Obwohl mir die grüne Hügelhölle gefällt. Aber mir fehlt eine Perspektive. Der Keeks. “Ich möchte jetzt einen Keks!” Wir machen Witze, wissen aber nicht, wo wir sind und wie lange es noch zu gehen ist, bis nach Mücheln, bis zum KEEKs.
Doch die grüne Hügelhölle ist endlich.
Wir kommen tatsächlich an eine Strasse, wie wir vermutet haben. Und sehen ein Hinweisschild, darauf steht Mücheln, mit einer Kilometerangabe. Die kann ich jedoch nicht erkennen, nicht lesen. Moni opfert sich und geht dem Schild entgegen. Mit ernster Miene kommt sie wieder zurück, mir entgegen. “Du willst jetzt nicht wissen, was darauf steht”, sagt sie verschwörerisch. Und ob, klar will ich es wissen. Aber eigentlich auch nicht. “Besser nicht. Hauptsache die Richtung stimmt. Alles andere ist mir jetzt egal.” Die dunkle Wolkenwand ist dabei uns einzuholen. Wir kürzen über ein Stoppelfeld ab. Wir können Gebäude sehen. “Mücheln!”
Es ist noch ein langer Weg bis nach Mücheln. Unser Proviant und das Wasser ist aufgebraucht. “Jetzt bloss kein Wasser vom Himmel, lieber welches in der Flasche.”
Auf ein Mal sehen wir wieder ein Muschelzeichen. Die Stimmung hebt sich wieder. Leider zeigt es in die falsche Richtung. Aber auch das ist ein Trost, denn das ist bestimmt der Weg, den wir morgen nach Freyburg gehen werden. Vorbei an einer LPG kommen wir in die Stadt hinein. Doch wir können keinen Kirchturm entdecken. Kirchtürme sind immer wieder eine gute Orientierung auf dem Weg.
Ich spreche eine junge Famile an einem Gartenzaun an:
“Hallo! Wir sind Pilger. Wir wollen zur Kirche. Zum ev. Kinder- und Jugenderlebnishaus KEEKs. Sind wir hier richtig?”
Die Leute scheinen zu erschrecken. Sie sehen auf jeden Fall so aus.
“Zur Kirche? Sie wollen zur Kirche? Ja, dort entlang ist bestimmt richtig.”
Wir gehen weiter.
Die Leute waren so erschreckt, als wenn ich gefragt hätte: “Hallo wir sind Abgesandte des Teufels, irgendwo muss doch hier im Dorf der Eingang zum Höllenschlund sein, könnten Sie uns dahin begleiten?”
Wir kommen in Mücheln im KEEKs an.
Ab jetzt geht es wieder schnell voran. Denn ich habe Durst. Der Kirchturm ist in Sicht. Ein Netto-Supermarkt auch. Ich gehe dort hinein, Moni geht weiter.
Welch ein Kontrast. Der Supermarkt ist wohl temperiert. Aber ich friere. Ich bin durchschwitzt und erschöpft und gebe wahrscheinlich ein seltsames Bild ab. Ich kaufe mir zwei Wasserflaschen und stürze wieder hinaus. Einen Liter Wasser trinke ich gleich auf Ex und schliesse wieder zu Moni auf. Zusammen umqueren wir den Kirchplatz und suchen das KEEKs. Aus einer Garage heraus winkt uns eine Familie zu. Mutter, Vater und einige Kinder. Die Garage ist wohnlich eingerichtet. “Die scheinen dort zu wohnen?”, denken wir wahrscheinlich beide zeitgleich unabhängig voneinander.
Ein freudiges “Hallo”, rufen Sie uns entgegen. “Sie wollen bestimmt zum KEEKs? Da ist auch schon einer von Ihnen. Sie werden erwartet. Gehen Sie einfach durch die Tür dort!” Die Familie wohnt in der Garage genau gegenüber vom KEEKs. Es sind nur noch wenige Schritte. Wir öffnen die Pfarrhofstür und sind angekommen im KEEKs in Mücheln.
[CMS]
Mehr Infos:
KEEKs in Mücheln

Echt nie gelesen davon, trotzdem mal interessant.