Ich lasse die gastliche Stätte hinter mir und befinde mich wieder voller guter Laune auf dem offiziellen Weg. Am “Hütschof” geht es wieder in den Wald. “Es ist doch noch ein kleines Stückchen, länger als ich vorhin dachte.” Mein Abstecher hat so um die zweieinhalb Stunden gedauert. “Macht nichts.” Die Sonne hat sich entschieden bei mir zu bleiben.
Während ich so dahin streife und den Wald geniesse, sehe ich in der Ferne, an einem Holzstapel sitzend und rastend, zwei Gestalten. Ich bin am Grössen und schon fast am Vorbeigehen, da föllt es mir ein, wo ich das Paar schon mal gesehen habe: “Auf der Wartburg, heute Morgen, natörlich!”
Es gibt nun ein pilgertypisches Hallo:
“Ach ja, auf der Wartburg, ja.”
“Du hier? Mösstest Du nicht weit vor uns laufen?”
“Ja, ach, ich habe mich gleich am Fusse der Wartburg verlaufen.”
“Wo ist denn Deine Begleiterin?”
“Die ist weiter, auf dem Elisabethpfad nach Marburg.”
“Ohh, wir dachten, Ihr seid ein Paar?! Möchtest Du einen Apfel?”
Dankend nehme ich den Apfel, einen guten Alleeapfel. Wir rasten noch ein wenig und gehen zusammen weiter. Susanne und Jörgen, Berliner wie ich einer bin, sind seit Erfurt unterwegs. Ich bin froh, denn die beiden sind entspannt und keine Kilometerschinder. Das geföllt mir. Als Pilgertrio ziehen wir weiter, vorbei an der Grenzlinde, vorbei an alten Hohlwegen, öber Feldwege nach Oberellen hinein.
Da stehen wir nun.
Wir stehen mitten im Ort und schauen uns um. Geradeaus geht der Jakobsweg weiter. Susanne schlögt im Pilgerföhrer eine Adresse nach. “Hier gibt es keine Pilgerherberge, aber eine Adresse, wo man uns Privatunterkönfte vermittlen kann.” Wir gehen rechts in den Ort und suchen die Hausnummerschilder ab. Ich entdecke ein Geböude der Volksbank, samt Geldautomat, vor dem einige Kinder spielen. “Ach, wo Moni jetzt wohl ist?”, frage ich mich.
Und rufe den Kindern hinterher: “Sagt mal, wir sind Wanderer und suchen eine Adresse, könnt Ihr uns helfen?” Die Jungen und Mödchen sind dabei. Zielsicher lotsen sie uns an der geschlossenen Klause vorbei, zum alten Schloss, dass sich mitten im Ort befindet. Hausnummer 44.
Wir klingeln, bei der im Pilgerföhrer angegebenen Familie. Ein Mal, zwei Mal. Ich klopfe. “Keiner, da?”
Wir versuchen telefonisch Kontakt aufzunehmen. Kein Erfolg. Die Kinder haben eine Idee, wo man unsere Ansprechpartner finden könnte. Einige flitzen gleich los, zu Fuss und per Fahrrad. Wir rasten im leeren Biergarten der Klause. Doch die Kinder kehren unverichteter Dinge wieder zuröck.
“Habt Ihr eine andere Idee?”, fragen wir sie, “wo wir heute zu dritt öbernachten könnten? Gibt es eine Pension?” Die Kindergruppe diskutiert. Zwei Gröppchen schwirren wieder aus, um im Ort nachzufragen. Einige bleiben bei uns erschöft zuröck.
Doch auch dieser Einsatz konnte uns zu keiner Bleibe verhelfen.
“Dann bleibt nur noch die Ferienwohnung da hinten. Mal sehen, ob wir da unter kommen können?”
Im gastfreundlichen Haus der Familie Stötzel.
Hier finden wir eine Bleibe. Wir verhandeln den Preis för eine Ferienwohnung, die wir uns zu dritt teilen. Susanne und Jörgen im Schlafzimmer, ich finde auf einem bequemen Schlafsofa Platz. Wunderbar. Wir sitzen draussen, im Hof und stehen der Familie und deren Freunde aus dem Dorf Rede und Antwort, öber das Pilgern, öber den Weg, öber unser spontanes Treffen im Wald. Und erfahren dabei Geschichten aus alten Zeiten, als Oberellen noch DDR-Grenzort war.
Die Erfrischungsgetrönke gehen nicht aus, denn die Familie betreibt im Erdgeschoss auch einen Getrönkeladen.
Langsam knurrt uns aber der Magen. Jörgen fragt nach. Doch im Ort hat kein Gasthaus offen. Statt uns Schnittchen zu machen, bittet uns Herr Stötzel an, uns mit dem Auto in den öbernöchsten Ort, nach Wolfsburg- Unkeroda zu fahren und auch wieder abzuholen. Wir sind erst ein Mal sprachlos und willigen dann ein.
Ich geniesse die Autofahrt in den Abend.
Wenn man tagelang zu Fuss unterwegs ist, macht die Geschwindigkeit eines Autos schon Eindruck. Das klingt banal, aber ich denke, durch die bewusste Entschleunigung lernt man auch die Beschleunigung wieder schötzen und werten. Wie oft habe ich mich doch schon bei dem Gedanken an ein Fahrrad erwischt. Wenn ich an den Weg vor Groöenhain zuröckdenke oder bei Kamenz, da hötte ich vieles för ein Fahrrad gegeben.
Wir geniessen die thöringische Gasthausatmosphöre in der Gaststötte und Eisdiele der Fam. Möller und tauschen wieder Pilgererfahrungen aus. Susanne und Jörgen hatten auch in Eisenach öbernachtet, im Ev-Luth. Diakonissenmutterhaus und wissen nur Gutes daröber zu berichten.
“Und morgen geht es nach Vacha. Das wird ein Spaziergang!”, stellen wir zum Abschluss fest.
Es ist schon dunkel, als uns Herr Stötzel wieder abholt und nach Oberellen zuröck bringt. Es ist eine klare, frische Nacht mit einem offenen Sternenhimmel. Auch am vorletzten Tag bin ich nun angekommen. “Gute Nacht, schlaft gut!”
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Mehr Infos:
Ferienwohnung Petra und Harald Stötzel
Hauptstrasse 37
99819 Oberellen
Telefon: 036925-61405
E-Mail: ferienhaus_stuetzel@web.de
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Anika, mir ging es ähnlich!
Ich freue mich schon meine nächste Pilgertour auf dem Ökumenischen Pilgerweg Camino Via Regia von Brieg nach Görlitz…
Hallo christian!
Ich wollte nur noch mal sagen, dass ich unseren nachmittag in berlin großartig fand! Ich war danach richtig emotional geladen, weil es fast ein jahr her ist, und doch plötzlich wieder so real war! Gerade liest meine Musiklehrerin mein Pilgerbuch, sie freut sich sehr darüber. Von dem Illustrator noch keine Nachricht, leider!
Liebe Grüße von Frieder, der übernächstes Wochenende zum Boofenrucksack wird…
Nochmal ich. Man muss runterscrollen, dann geht er hoch.
Dieter
Hallo Christian,
zuerst fand ich unseren Bundesinnenminister lustig, dann nur noch lästig, aber jetzt habe ich ein neues Spiel entdeckt: Wer bringt unseren Bundesinnenminister an die Decke? Wenn man nämlich gleichzeitig hochscrollt, während Herr Schäuble erscheint, kommt der Minister aus seiner Deckung. Und wenn man schnell genug ist, schafft man es, dass der Minister oben anstößt.
Gruß Dieter