Der Weg führt steil nach oben, es geht hinauf auf die Hörselberge.
Der große Hörselberg ist mit 484 Meter die höchste Erhebung. Schnaufend erklimme ich den Berg und freue mich insgeheim auf einen Kaffee. Oben angekommen ist meine Enttäuschung groß, die Gaststätte hat geschlossen. Es ist Montag. Nach einer kleinen Pause geht es hier oben auf dem Kamm entlang weiter. Von unten dröhnen die Geräusche der A 4, die direkt unterhalb der Hörselberge entlang führt, unangenehm laut bis hier herauf.
Auf schmalen Pfad erreiche ich das Ende der Hörselberge. Der Abstieg ist noch einmal eine Tortur, es geht ebenso steil bergab, wie zuvor bergauf. Ich muss höllisch aufpassen, dass ich nicht ausrutsche.
Unten angekommen, mache ich drei Kreuze, dass ich noch heil bin.

Am späten Nachmittag komme ich in Eisenach an.
Mein erster Weg führt mich, -na ihr wisst schon, in eine Cafeteria.
Bei einen mir wohlverdienten Kaffee, melde ich mich im Ev.-Luth. Diakonissenmutterhaus an. Streng ordensmäßig, aber freundlich, werde ich aufgenommen. Später treffe ich ein Pärchen, das auch hier untergekommenist.
Sie wirken auf mich noch katholischer als der Papst selbst. Sie verbringen schon zwei Tage hier. Beim gemeinsamen Frühstück am nächsten Morgen ändert sich mein Eindruck nicht, eine normale Konversation ist nicht möglich. So esse ich still mein Frühstück, das liebevoll von den Schwestern hergerichtet wurde.
Danach heißt es, Morgenandacht! Ohne diese gibt es kein Verlassen des Hauses. Brav sitze ich in der dafür eingerichteten Kapelle und lausche mit zum Gebet gefalteten Hände die Predigt.
“Amen.” Jetzt aber los.

Zwei Tage später habe ich mein Ziel Vacha erreicht, und nach weiteren fünfzehn Stunden Bus- und Bahnfahrt, bin ich wieder zu Hause in Zittau angekommen.

Resümee
Es war eine wunderbare, wenn auch für mich anstrengende Tour. Die erste, mit so einer Länge von über vierhundert Kilometern überhaupt. Alles was ich davor hatte waren mehr oder weniger Tagesausflüge. Die letzten größeren Touren zumeist mit dem Fahrrad oder Faltboot, liegen nun schon über dreißig Jahre zurück.
Wehwehchen hatte ich am ersten Tag in Form von zwei kleine Blasen, die ich mit Blasenflaster behandelte. Danach hatte ich keine mehr. Dafür bekam ich zum Ende der Reise eine sehr starke Erkältung mit anschließender Lungenentzündung.
Das Problem mit meinen Schienbeinen war eine Knochenhautentzündung hervorgerufen durch eindeutige Überbelastung. Auch spielt dass relativ wenige, um nicht zu sagen, überhaupt kein Training eine Rolle. Dazu kommt noch, dass will ich eigentlich nicht sagen, ich schäme mich ein bisschen, das eigene Übergewicht, sowie der relativ schwere Rucksack mit rund sechzehn Kilo.
Normal gepackt kam ich auf knapp zwölf Kilo, auch dass ist wie ich heute weiß noch zu viel. Auf der Route hätte ich gut und gern die Hälfte der Klamotten zu Hause lassen können. Aus Fehlern lernt man schließlich. Oder man sollte, wenn man sich schon hier im Blog umschaut, doch genauer hinsehen. Erspart so manche Müh.
Wenn ich schon zwölf Kilo mit schleppe, wird sich manch einer von Euch fragen, wie komm ich auf sechzehn?
Nun es ist so, dass es unterwegs so gut wie keine Einkaufsmöglichkeiten gab. Mal von den größeren Städten abgesehen. In den kleineren Dörfern, die ich durchwanderte gab es keine, Geschäfte sowie auch keine Gaststätten mehr. Dafür sind die Einwohnerzahlen zu klein. Also bedeutete es für mich entsprechend, Verpflegung einzukaufen. Vor allem die Getränke drückten das Gewicht nach oben. So sind dann mal schnell rund vier Kilo Mehrgewicht zusammen.
Und getrunken habe ich weiß Gott, viel.
Ein anderes Phänomen war auf der Tour die Einsamkeit. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mitten in Deutschland so gut wie keine Menschenseele treffen werde. Am Anfang der Tour habe ich gedacht, es ist gut so, dann haste ja mal endlich Zeit über dein bisheriges Leben nach zu denken. Denkste, mein Kopf war wie leer. Stundenlang trottete ich vor mir hin, den Blick nur ab und an in die Landschaft umherschweifend. Unglaublich aber wahr, wozu auch Gedanken an solche Nichtigkeiten wie über das Leben verschwenden. So war ich denn froh als ich meine beiden Mitpilgerinnen traf, wenn es auch jeweils immer nur für kurze Zeit war. Auf der anderen Seite war ich wiederum zufrieden, wenn ich die großen Städte wie z.B. Merseburg, Leipzig und Erfurt schnell wieder verlassen konnte. Der Trubel war für mich einfach zu groß, wo ich doch mittlerweile an Einsamkeit gewöhnt war.
Ein paar Worte zu meiner Ausrüstung, ganz besonderen Dank gilt hier meine 50-Euro-Schuhen. Sie haben mich in keiner weise enttäuscht oder gar im Stich gelassen. Hervorragend verarbeitet und mit allem ausgestattet, was man sich von einem guten Wanderschuh wünscht.
Selbst absolut wasserdicht sind sie. Baden sollte man allerdings nicht mit ihnen. Einen Wehmutstropfen gibt es allerdings, eine noch so lange Strecke werden sie wahrscheinlich nicht überstehen, die Sohlen sehen doch schon etwas abgenutzt aus. Sie sind wahrscheinlich zu weich. Für den Hausgebrauch und als Winterschuhe reichen sie aber noch allemal.
Zu den Stöcken, die ich benutzte, kann ich nur sagen es läuft sich mit Stöcken besser als ohne. Vor allem merkt man, wie dadurch der Rücken entlastet wird. Zwei Paar Gummischuhe habe ich unterwegs verbraucht, um dieses eklige “klik klak” auszuschalten.
Ach ja, da wäre noch meine Hose, die ich für sieben Euro beim Vietnamesen erstanden habe. Auch auf sie konnte ich mich verlassen. Es gab ein paar Regentage, wo sie zeigen konnte, was sie so drauf hatte. Mitunter war ich völlig durchgeweicht, dass Trocknen ging jedoch recht zügig, so dass ich schnell wieder trockene Beine hatte.
Das Material besteht aus einen Mischgewebe.
Alle Fotos, bis auf eines, sind mit einen Handy entstanden.
Zittau im Dezember 09
Atze1407
[Leserbericht von Atze 1407]
Was bisher geschah: Das kann man hier lesen…
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Danke für den Leserbericht! Ich habe ihn die Tage verfolgt und gerne gelesen.