Ich werde immer wieder nach “dem Jakobsweg” nach Santiago de Compostela gefragt und entgegne, dass es sich nicht um “den einen Weg”, sondern eher um ein dichtes Wegenetz handelt, dass sich durch ganz Europa zieht. Oft ernte ich dann ungläubigens Staunen. “Doch, es kann sein, daß ein Weg gerade auch vor Deiner Haustür vorbeiführt! Alle Wege führen nach Santiago de Compostela, einige auch nach Rom,” bin ich schon fast am umdeuten.”
Der Weg.
Verschiedene Wege aus ganz Europa führen nach Santiago de Compostela in Spanien. In Spanien führt ein Hauptweg, der Camino Frances, von den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela in Galicien im äußersten Nordwesten Spaniens. Das ist der bekannteste Wegabschnitt. Doch es gibt viele mehr.
Das Ziel.
Der Jakobsweg (Camino de Santiago), auch Jakobusweg genannt, ist ein Pilgerweg, der bis nach Santiago de Compostela zum vermeindlichen Grab des Apostel Jakobus des Älteren, führt. Der Hl. Jakobus war der Bruder des Johannes, der ebenfalls einer der 12 Apostel Jesus Christus war.
Anlaufpunkt ist in Santiago de Compostela die romanische Kathedrale, in der sich eine große Sitzfigur des Hl. Jakobus befindet, die als Zeichen der Verehrung umarmt und geküsst wird.
Im Jahr 830 wurde Santiago de Compostela zum Wallfahrtsort. 1985 wurde Santiago de Compostela von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Ein Abbild der Kathedrale kann man auch auf spanischen Cent-Münzen finden.
Santiago de Compostela war neben Rom und Jerusalem mit das drittwichtigste Pilgerziel des christlichen Mittelalters. Das Einzugsgebiet reichte von Skandinavien bis ins östliche Mitteleuropa.
Die Urkunde.
In der Kathedrale erhält der Pilger die “Compostela”, die Beglaubigungsurkunde, ausgehändigt. Nur die Pilger, die aus religiösen Gründen zu Fuß oder per Pferd mindestens die letzten 100 km zurückgelegt haben, erhalten diese Urkunde. Farradpilger müssen mindestens die letzten 200 km nachweisen können. Der Nachweis wird durch Wege- und Herbergsstempel im Pilgerausweis erbracht.
Das Pilgern, die Wallfahrt.
Wer eine Wallfahrt auf sich nahm, dem wurden seine Sünden erlassen, sprich abgelassen. Es war möglich, stellvertretend für jemand anderen eine Pilgerreise zu unternehmen, um dem verhinderten Auftraggeber den Ablassbrief zu bringen. Durch diese Möglichkeit entstand ein regelrechter Ablasshandel. Dieser war mit ein Hauptkritikpunkt der Reformation.
Nicht alle Pilger waren freiwillig unterwegs. Der Pilgerweg nach Santiago de Compostela war eine beliebte Strafe im Mittelalter. Statt Todes- oder Geldstrafe wurden mittelschwere Verbrechen mit Strafpilgern geahndet.
Während eine Reise nach Jerusalem oft den Wohlhabenden aus Kostengründen vorbehalten war, machten sich auf dem Jakobsweg auch einfache Leute auf den Weg. Mitunter auch zwielichtige Gestalten, die sich durch Raub und Diebstahl an den Pilgern bereicherten.
Mit der Zeit entstanden für die Betreuung und Unterkunft der Pilger zahlreiche Herbergen und Klöster, Kirchen und Gasthäuser, sowie Einrichtungen zur medizinischen Versorgung. Ortschaften und Kirchengemeinden waren bestrebt, auch an den wirtschaftlichen Auswirkungen des Jakobswegpilgerns teilzuhaben.
Die Jakobsmuschel.
Die Jakobsmuschel ist das Erkennungszeichen der Jakobspilger. Bevor die “Compostela” als Nachweis der Pilgerschaft ausgestellt wurde, galt die Jakobsmuschel als Nachweis, die nur am Pilgerziel in Santiago erhältlich war. Heute ist die Jakobsmuschel das Erkennungszeichen der Pilger, das sichtbar am Rucksack, Hut oder Pilgerstab getragen wird. Sie ist heute auch die wichtigste Wegmarkierung der Jakobswege. Sie variiert je nach Weg in Farbe und Gestaltung.
Der ökumenische Pilgerweg, der Jakobswegabschnitt von Görlitz nach Vacha, hat eine gelbe Jakobsmuschel mit zwei gekreuzten Pilgerstäben auf blauem Grund.
Die Jakobsmuschel und der dazugehörige Pilgerausweis dienten auch dazu, die Pilger vor Übergriffen von zwielichtigen Gestalten zu schützen, aber auch um sich vor den Ordnungsmächten als Pilger erkennen geben zu können, um nicht mit Landstreichern oder Bettlern verwechselt zu werden.
Der 25. Juli ist der Tag des Hl. Jakobus.
Wenn der 25. Juli auf einen Sonntag fällt, spricht man von einem heiligen Jakobusjahr, das nächste heilige Jahr ist demnach 2010.
Linktipps.
Jakobswege in Deutschland
Der Weg von Paderborn durch das Sauerland nach Köln.
Die Wege der Jakobspilger im Rheinland
Jakobsweg Brandenburg
Münchner Jakobsweg
Pilgerweg Nordhessen / Eichsfeld
St. Jakobus Pilgerweg Sachsen-Anhalt
Via Baltica, Der Baltisch-Westfälische Weg
Via Baltica, Jakobsweg in Norddeutschland
Via Jutlandica, der Jütländische Weg
Weitere Jakobswege in Deutschland…
Pilgerwege aus Polen, die in Görlitz münden:
Der Camino Via Regia von Brzeg-Wroclaw-Legnica-Zgorzelec (Brieg-Breslau-Liegnitz-Görlitz)
Der Camino Droga Wielkopolska von Gniezno-Poznan-Glogow-Zgorzelec
(Gnesen-Posen-Glogau-Görlitz)
[CMS]
Für eine klare Grossansicht der Jakobswegkarte (800×563), bitte auf die obige Grafik klicken.
(Karte der Jakobswege in Europa: Manfred Zentgraf, Volkach, Germany, Quellurl: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Ways_of_St._James_in_Europe.png)
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